Call for Papers
Textuelle Identität: Autorschaft und Schreibstil in der aktuellen Forschung
Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung im November 2025 an der Ruhr-Universität Bochum, laden wir herzlich zum Symposium “Textuelle Identität: Autorschaft und Schreibstil in der aktuellen Forschung” ein. Die Tagung wird von der Anglistik der Universität Graz in Kooperation mit The Forensic Linguistics Lab ausgerichtet und findet am Freitag, den 20. und Samstag, den 21. November 2026 an der Universität Graz statt.
Im Zentrum der Autorschaftsanalyse steht die Frage nach der Identität der verfassenden Person und damit auch danach, wie sich die Präsenz dieser schreibenden Person in einem Text sprachlich manifestiert. Grundlage ist hierbei die Beobachtung, dass Individuen innerhalb des Sprachsystems eine spezifische Auswahl aus verfügbaren Ausdrucksmöglichkeiten treffen. Solche wiederkehrenden Muster im Sprachgebrauch erlauben es dann, dass Texte einem Individuum zugeordnet werden können. Da Texte in rechtlichen Kontexten oft weitreichende Konsequenzen haben, bildet die Autorschaftsanalyse eine der wesentlichen Säulen der forensischen Linguistik.
Ziel des Symposiums ist es, den Dialog zwischen theoretischen Ansätzen, empirischer Forschung und praktischer Anwendung zu fördern. Darüber hinaus soll die Veranstaltung den wissenschaftlichen Austausch zwischen der deutschsprachigen Autorschaftsforschung und internationalen Perspektiven intensivieren. Ein forensischer Fokus ist ausdrücklich erwünscht, wir freuen uns aber auch über Beiträge außerhalb der Forensik. Wir laden daher herzlich zur Einreichung von Beiträgen für Vorträge zu Themen der Autorschaftsanalyse ein. Mögliche Schwerpunkte umfassen unter anderem:
- Herausforderungen für die Autorschaftsanalyse durch LLMs und linguistische Ansätze im Umgang damit
- Individueller Sprachgebrauch in verschiedenen Kontexten und über Kontexte hinweg
- Methoden zur Analyse sprachlicher Individualität
- Anwendung linguistischer Methoden in konkreten Fallstudien
- Automatisierte Verfahren in der Autorschaftsanalyse (speziell praxisorientiert mit kleinen Text Samples)
- Welche Merkmale können auf mehrere Verfasser:innen hindeuten, und wie ist mit solchen Texten umzugehen? Welche Methoden der Analyse sind hier passend?
- Autorschaftsanalyse im digitalen Zeitalter: besondere Herausforderungen in Bezug auf digitale Texte, Multimodalität, Anonymität, Autokorrektur und Autovervollständigung (Text-Completion), etc.
- Autorschaftsanalyse über Sprachen hinweg: können Texte unterschiedlicher Sprachen (z.B. Deutsch und Englisch) miteinander verglichen werden? Welche Merkmale werden von Verfasser:innen von einer in die andere Sprache mitgenommen?
- Übersetzungstools: können Texte, die durch Übersetzungstools verfremdet werden, als solche erkannt werden? Welche Spuren hinterlassen solche Tools?
- Verstellungsstrategien und wie diese erkannt werden können
- Zusammenspiel zwischen Sprache und Persönlichkeit: was kann die Sprache über die Persönlichkeit in einem forensischen Kontext aussagen? Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen solcher Methoden?
- Multiple Autorschaft: wie soll mit Texten umgegangen werden, die möglicherweise von mehr als einer Person verfasst wurden? Welche Methoden eignen sich hier? Wie können Ergebnisse dargestellt werden?
- Wo liegen die Grenzen der Autorschaftsanalyse?
- Erstellung und Verwendung von Korpora für die Autorschaftsanalyse: welche Korpora gibt es im deutschsprachigen Raum, welche wären notwendig, welche Merkmale sollen diese haben, welche Daten müssten gesammelt werden, etc.?
- Sachverständigenwesen in Deutschland, Österreich und der Schweiz: wie wird man Sachverständige:r, welche Ausbildung ist notwendig, was bedeutet es, Sachverständige:r der forensischen Linguistik zu sein?
- Sprachprofilerstellung: Zusammenhänge zwischen Sprache und Alter, Bildungshintergrund, regionaler Herkunft, Geschlecht, Ideologie, etc. (v.a. Was ist in der Praxis relevant, was ist herausfordernd, wie können derzeitige Methoden verbessert werden, etc.)
- Ethische Fragestellungen in der Fallarbeit und wie man diesen begegnen kann
Wir freuen uns über Beiträge, die sich mit diesen und ähnlichen Themenstellungen befassen. Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf der Autorschaftsanalyse im deutschsprachigen Kontext. Beiträge zu anderen Sprachen sind willkommen und werden im Rahmen der verfügbaren Programmplätze berücksichtigt.
Die Vorträge sind für 20 Minuten mit 10-minütiger Q&A geplant. Abstracts sollten den Umfang von 300 Wörtern (exkl. Literatur) nicht überschreiten. Beitrags- und Vortragssprachen sind Deutsch und Englisch.
Einreichungen richten Sie bitte an autorschaft(at)uni-graz.at
Sponsoren
International Association for Forensic & Legal Linguistics (IAFLL)
Organisationskomitee
Karoline Marko (Universität Graz)
Finn Markart (Universität Graz)
Nikol Stopic (Universität Graz)
Daniela Schneevogt (Aston University, The Forensic Linguistics Lab)
Dana Roemling (University of Birmingham, The Forensic Linguistics Lab)